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Geschichte der Osteopathie

Aktualisiert am Lesezeit etwa 3 Minuten

Die Osteopathie ist rund 150 Jahre alt. Sie entstand im ländlichen Missouri, in einer Zeit, in der die Medizin kaum wirksame Mittel kannte und viele Behandlungen mehr schadeten als halfen.

Porträtfoto von Andrew Taylor Still im hohen Alter mit Bart
Andrew Taylor Still, Begründer der Osteopathie, um 1914. Foto: Library of Congress (gemeinfrei).

Andrew Taylor Still

Andrew Taylor Still wurde 1828 in Virginia geboren und wuchs als Sohn eines Methodistenpredigers und Arztes an der amerikanischen Siedlungsgrenze auf. Medizin lernte er so, wie es damals üblich war: bei seinem Vater, durch Mitarbeit und Selbststudium. Im Bürgerkrieg diente er als Sanitäter auf Seiten der Union.

Einschneidend war für ihn der Tod mehrerer seiner Kinder an einer Meningitis-Epidemie in den 1860er-Jahren. Die Ärzte hatten ihnen nicht helfen können. Still wandte sich von der Medizin seiner Zeit ab, die mit Quecksilber, Aderlass und Opiaten arbeitete, und suchte nach einem anderen Weg.

1874: Eine „neue Wissenschaft“

Als Geburtsdatum der Osteopathie gilt der 22. Juni 1874. Still stellte damals seine Idee vor, dass sich Krankheiten über die Struktur des Körpers beeinflussen lassen, vor allem über Knochen, Gelenke und die freie Zirkulation von Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Er verstand sich ausdrücklich als Reformer und lehnte Medikamente weitgehend ab.

Still ließ sich in Kirksville in Missouri nieder und reiste anfangs als Arzt durch die Umgebung. Sein Ruf wuchs, und bald kamen Patienten von weit her in die kleine Stadt.

Die erste Schule in Kirksville

1892 gründete Still in Kirksville die American School of Osteopathy. Die erste Klasse war klein, und anders als an vielen Hochschulen jener Zeit wurden von Anfang an auch Frauen aufgenommen. Bald entstanden weitere Schulen in anderen Bundesstaaten.

Historisches Foto eines kleinen Holzhauses, des ersten Schulgebäudes in Kirksville
Das erste Gebäude der American School of Osteopathy in Kirksville, Missouri (gemeinfrei).

Zwei Wege: USA und Europa

Danach trennen sich die Wege. In den USA näherte sich die Osteopathie im 20. Jahrhundert schrittweise der wissenschaftlichen Medizin an. Heute sind die dortigen Doctors of Osteopathic Medicine (DO) voll approbierte Ärztinnen und Ärzte, die Medikamente verschreiben und operieren. Die manuelle Behandlung spielt bei vielen von ihnen nur noch eine Nebenrolle.

In Europa blieb die Osteopathie dagegen eine rein manuelle Methode. Eine wichtige Station war Großbritannien, wo John Martin Littlejohn, ein Schüler aus Kirksville, 1917 in London die British School of Osteopathy gründete. Großbritannien regelt den Beruf inzwischen per Gesetz.

Kraniosakral und viszeral

Stills Schüler William Garner Sutherland entwickelte in den 1930er- und 1940er-Jahren die kraniale Osteopathie. Er ging davon aus, dass sich die Schädelknochen minimal gegeneinander bewegen und ein eigener Rhythmus im Körper tastbar sei. Die Behandlung innerer Organe, die viszerale Osteopathie, geht auf Ansätze aus den 1940er-Jahren zurück und wurde später vor allem durch den Franzosen Jean-Pierre Barral bekannt. Beide Bereiche werden im Beitrag zu den drei Arbeitsbereichen genauer vorgestellt.

Osteopathie in Deutschland

Nach Deutschland kam die Methode vergleichsweise spät, vor allem über Physiotherapeuten, die sich in Frankreich, Belgien und Großbritannien fortbildeten. Ab den späten 1980er-Jahren entstanden eigene Schulen und Berufsverbände. Seit gut zehn Jahren bezuschussen viele gesetzliche Krankenkassen Behandlungen als freiwillige Leistung, was die Bekanntheit stark erhöht hat. Wie das genau funktioniert, steht unter Kosten und Krankenkasse.

Strichzeichnung: Ein Behandler beugt ein Bein eines auf dem Bauch liegenden Patienten
Behandlungsgriff aus einem amerikanischen Osteopathie-Lehrbuch von 1898. Die Bildunterschrift im Original verspricht Hilfe bei Impotenz, typisch für die großen Ansprüche jener Zeit. Internet Archive Book Images (keine bekannten Einschränkungen).

Was von Still bleibt

Manche seiner Gedanken klingen heute modern: den ganzen Menschen ansehen, sich Zeit nehmen, Beweglichkeit erhalten, Medikamente nicht leichtfertig geben. Andere, etwa seine Erklärungen zur Entstehung von Krankheiten, sind von der Forschung überholt. Wer sich für die Originalquellen interessiert, findet einen guten Einstieg im Wikipedia-Artikel zur Osteopathie).