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Was ist Osteopathie?

Aktualisiert am Lesezeit etwa 3 Minuten

Osteopathie ist eine manuelle Behandlungsform: Behandelt wird ausschließlich mit den Händen. Dahinter steht eine Vorstellung vom Körper als zusammenhängendem System, die älter ist als die moderne Physiologie. Diese Seite erklärt, was damit gemeint ist und wo die Idee an ihre Grenzen stößt.

Seitliche Ansicht der Wirbelsäule mit farbig markierten Abschnitten
Die Wirbelsäule in der Seitenansicht, farbig nach Abschnitten. Nach Henry Vandyke Carter, Gray's Anatomy (gemeinfrei).

Die Grundidee

Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern für Knochen (osteon) und Leiden (pathos) zusammen. Das ist etwas irreführend, denn um Knochen allein geht es kaum. Osteopathinnen und Osteopathen tasten Gelenke, Muskeln, Bindegewebe und Organe ab und suchen nach Stellen, an denen sich Gewebe weniger gut bewegen lässt als erwartet. Solche Bewegungseinschränkungen sollen dann mit sanftem Druck, Dehnung oder rhythmischen Bewegungen gelöst werden.

Drei Annahmen ziehen sich durch fast alle Lehrbücher: Der Körper ist eine Einheit, Struktur und Funktion beeinflussen sich gegenseitig, und der Organismus verfügt über Fähigkeiten zur Selbstregulation, die eine Behandlung unterstützen kann. Für sich genommen sind das wenig strittige Sätze. Strittig wird es dort, wo daraus konkrete Behauptungen abgeleitet werden, etwa dass sich ein Problem im Bauchraum über eine Behandlung am Becken beeinflussen lasse.

Wie eine Behandlung aussieht

Eine typische Sitzung dauert 45 bis 60 Minuten. Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen, Unfälle und Lebensumstände. Danach folgt die Untersuchung: Haltung, Beweglichkeit, Abtasten. Die eigentliche Behandlung ist meist ruhig, oft so ruhig, dass Patienten kaum merken, was gerade passiert. Wie das im Einzelnen abläuft, beschreibt der Beitrag zur ersten Behandlung.

Geräte, Medikamente oder Spritzen gehören nicht dazu. Das macht die Methode für viele Menschen attraktiv, die nach einer Alternative zu Schmerzmitteln suchen.

Abgrenzung zu Physiotherapie und Chiropraktik

Physiotherapie ist in Deutschland ein geregelter Gesundheitsfachberuf mit staatlicher Prüfung. Sie arbeitet stark mit aktiven Übungen, die Patienten später allein fortführen. Osteopathie ist überwiegend passiv: Behandelt wird, die Patientin liegt.

Die Chiropraktik ist fast zeitgleich in den USA entstanden und setzt stärker auf schnelle Impulse an der Wirbelsäule, das bekannte Knacken. Auch in der Osteopathie gibt es solche Techniken, sie machen aber nur einen kleinen Teil aus. Die Grenzen zwischen manueller Therapie, Chiropraktik und Osteopathie sind in der Praxis fließend, viele Therapeuten kombinieren Elemente aus allen drei.

Drei Arbeitsbereiche

Die meisten Ausbildungen teilen die Osteopathie in drei Bereiche: den Bewegungsapparat (parietal), die inneren Organe (viszeral) und Schädel und Nervensystem (kraniosakral). Die drei Bereiche haben eine sehr unterschiedliche Geschichte und sind auch wissenschaftlich unterschiedlich gut untersucht. Ein eigener Beitrag stellt parietale, viszerale und kraniosakrale Osteopathie nebeneinander.

Was sich sagen lässt und was nicht

Am besten untersucht ist die Behandlung von Rückenschmerzen. Dort zeigen Übersichtsarbeiten kleine Effekte, die sich nicht klar von anderen aktiven Behandlungen abheben. Für viele andere Anwendungen, die in Praxisbroschüren genannt werden, fehlen belastbare Studien. Mehr dazu im Beitrag zur Studienlage.

Das heißt nicht, dass Patienten sich nach einer Sitzung nicht besser fühlen. Zuwendung, Zeit, Berührung und ein ausführliches Gespräch wirken. Nur lässt sich daraus nicht ableiten, dass die Theorie hinter der Methode stimmt. Wer das auseinanderhält, kann ziemlich gut entscheiden, ob Osteopathie für das eigene Anliegen infrage kommt.

Wer in Deutschland behandeln darf

Osteopathie gilt hierzulande als Ausübung der Heilkunde. Behandeln dürfen deshalb nur Ärztinnen und Ärzte oder Personen mit Heilpraktikererlaubnis. Eine eigene geschützte Berufsbezeichnung gibt es bundesweit nicht. Worauf man bei der Suche achten kann, erklärt der Beitrag Osteopathen finden.