osteopathie-heilen.deOsteopathie unabhängig erklärt

Parietal, viszeral, kraniosakral

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Osteopathie wird meist in drei Bereiche gegliedert. In einer Sitzung gehen sie oft ineinander über, sie unterscheiden sich aber deutlich darin, was behandelt werden soll und wie plausibel die Annahmen dahinter sind.

parietalviszeralkraniosakral

Parietale Osteopathie: der Bewegungsapparat

Der parietale Bereich umfasst Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder. Hier ist die Osteopathie der klassischen manuellen Therapie am nächsten. Behandelt wird mit Mobilisation, also langsamen, wiederholten Bewegungen eines Gelenks, mit Dehnung, mit Muskeltechniken, bei denen Patienten gegen einen leichten Widerstand anspannen, und gelegentlich mit kurzen Impulsen an der Wirbelsäule.

Dass solche Techniken Schmerzen im Rücken oder Nacken kurzfristig lindern können, ist gut belegt, wenn auch mit eher kleinen Effekten. Die Wirkung wird heute vor allem über das Nervensystem erklärt: Berührung und Bewegung verändern, wie Schmerzsignale verarbeitet werden. Dass dabei Wirbel „wieder an ihren Platz“ gebracht würden, gilt als überholte Vorstellung. Mehr dazu unter Rückenschmerzen.

Viszerale Osteopathie: die inneren Organe

Die viszerale Osteopathie arbeitet am Bauch und am Brustkorb. Die Annahme: Organe sind über Bänder und Bindegewebe aufgehängt und müssen sich bei jedem Atemzug ein wenig verschieben. Ist diese Beweglichkeit gestört, etwa durch Narben nach Operationen, könne das Beschwerden verursachen, auch an ganz anderen Stellen.

Dass Organe sich beim Atmen bewegen, stimmt. Ob sich diese Bewegung von außen zuverlässig ertasten und gezielt verändern lässt, ist dagegen nicht belegt. Studien, in denen mehrere Therapeuten dieselben Patienten untersuchten, kamen häufig zu unterschiedlichen Befunden. Für Beschwerden wie Reizdarm gibt es einzelne kleine Studien mit positiven Ergebnissen, aber keine verlässliche Grundlage.

Kraniosakrale Osteopathie: Schädel und Rückenmark

Der kraniosakrale Bereich geht auf William Garner Sutherland zurück, über den der Beitrag zur Geschichte mehr erzählt. Die Theorie: Die Schädelknochen seien gegeneinander minimal beweglich, und die Flüssigkeit um Gehirn und Rückenmark pulsiere in einem eigenen, langsamen Rhythmus, der sich vom Herzschlag und der Atmung unterscheide. Diesen Rhythmus könne man an Kopf und Kreuzbein ertasten und mit sehr leichtem Druck beeinflussen.

Anatomische Zeichnung eines Schädels von der Seite mit Nähten zwischen den Knochen
Schädel von der Seite. Die Nähte zwischen den Knochen verknöchern im Lauf des Lebens weitgehend. Henry Vandyke Carter, Gray's Anatomy (gemeinfrei).

Gerade dieser Bereich ist am schlechtesten belegt. Die Schädelnähte verknöchern bei Erwachsenen weitgehend, und in Untersuchungen konnten verschiedene Therapeuten den angenommenen Rhythmus nicht übereinstimmend messen. Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass eine Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. Viele Patienten empfinden die Behandlung trotzdem als sehr entspannend, was niemand bestreitet.

Wie sich die Bereiche in der Praxis mischen

Kaum jemand arbeitet ausschließlich in einem Bereich. Eine Sitzung wegen Nackenschmerzen kann mit Techniken an der Halswirbelsäule beginnen, über den Brustkorb gehen und mit ruhigen Griffen am Kopf enden. Für Patienten ist das nicht immer leicht zu durchschauen. Es ist völlig in Ordnung, nachzufragen, was gerade gemacht wird und warum.

BereichBehandeltWie gut belegt
ParietalGelenke, Muskeln, Wirbelsäulekleine Effekte bei Rücken- und Nackenschmerzen
ViszeralOrgane, Bauchraum, Narbenkaum belastbare Studien
KraniosakralSchädel, Kreuzbein, „Rhythmus“Wirksamkeit nicht nachgewiesen

Was das für Ihre Entscheidung heißt

Wer wegen Rücken- oder Nackenschmerzen kommt, bewegt sich mit der parietalen Osteopathie auf dem am besten untersuchten Terrain. Bei Behandlungsangeboten, die sich auf Organe oder den Schädelrhythmus berufen, lohnt ein kritischer Blick auf die versprochenen Ergebnisse. Eine Gesamtschau der Forschung bietet der Beitrag zur Studienlage.